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Frühlingszeit: Beginn der Zeckenzeit
Die ersten sonnigen Tage. Man geht mit seinem Hund spazieren und genießt die lang entbehrte Wärme - kommt nach Hause und sieht plötzlich so ein kleines Etwas über das Fell des Hundes wandern.
Die erste Zecke.
Hier stellt sich jetzt die Frage: Warum soll man etwas gegen Zecken tun? Und wie?
Abgesehen von der Tatsache, daß diese "possierlichen" Tierchen unser Ekelgefühl berühren, sind sie auch noch Krankheitsüberträger.
Zecken befallen, wie Ihnen sicher bekannt ist, nicht nur Hunde und Katzen (und natürlich jedes andere Tier), die ihnen vor die "Beißer" kommen, sondern auch den Menschen.
In Deutschland am häufigsten sind der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) und die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Ixodes ist im vollgesogenen Zustand weiß, und Rhipicephalus, wie der deutsche Name schon sagt, braun.
Während der gemeine Holzbock sich üblicherweise nur in der Natur und auf dem Tier aufhält, ist die braune Hundezecke ein größeres Problem. Sie braucht nur einen Wirt, um Blut zu saugen, und wenn sie im Haus oder Zwinger abfällt, nistet sie sich dort ein und vermehrt sich dort. Ein Problem, das auch für den Menschen äußerst unangenehm werden kann.
Jetzt aber erst einmal die häufigsten Erkrankungen, die in Deutschland von Zecken übertragen werden:
Beim Menschen besteht die Gefahr mit FSME (Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis) oder Borreliose infiziert zu werden.
FSME ist eine Virus-bedingte Hirnhautentzündung, die tödlich enden kann. Zum Glück gibt es aber einen Impfstoff.
Borreliose ist eine von Bakterien hervorgerufene Krankheit, z.B. Lyme-Disease oder Rückfallfieber, die sehr unterschiedlich verläuft und mit einer umschriebenen Rötung an der Einbißstelle beginnt..
Aber Vorsicht: Jede Entzündung geht mit einer Rötung einher, d.h. es muß nicht sofort Borreliose sein!!!
Hier gibt zwar für den Menschen keinen Impfstoff, dafür aber für Hunde.
Unsere Haustiere können zwar FSME nicht bekommen, aber dafür außer Borreliose (nach Wochen bis Monaten kommt es zu fiebrigen Entzündungen der Gelenke, des Herzens und des Nervensystems) auch Babesiose (ein einzelliger Blutparasit, der die roten Blutkörperchen befällt, und nach und nach zu einer Blutarmut führt und zum Tod führen kann).
Des weiteren können auch noch Rickettsien (Ehrlichiose, ein bakterieller Blutparasit, der v.a. sich in den weißen Blutkörperchen einlagert) übertragen werden.
Verstärkt sind Babesiose und Rickettsiose im südeuropäischen Raum zu finden. Durch die Unart, sein Tier in den Urlaub in den Süden mitzunehmen, tauchen diese Krankheiten auch immer häufiger bei uns in Mitteleuropa auf.
Nun zur Frage, was man gegen Zecken tun kann:
Am Besten ist immernoch, sein Tier nach dem Aufenthalt im Freien nach möglichen Zecken abzusuchen, bevor diese sich in die Haut eingebohrt haben.
Dies ist bei kurzhaarigen Tieren eher von Erfolg gekrönt.
Und dann gibt es noch medikamentelle und mechanische Möglichkeiten.
Es gibt mehrere Medikamente, die beim Hund auch gegen Zecken wirken.
Ich möchte hier zwei besprechen, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe.
Dies ist zum einen:
Exspot ® (Fa. Essex)
Ampullen, die ins Fell eingebracht werden, zwischen den Schulterblättern und wenn nötig auch am Schwanzansatz.
Durch den Preis empfehlenswert für große Hunde
Und zum anderen:
Frontline ® (Fa. Merial)
Entweder als Spray, mit dem der ganze Hund eingesprüht wird
empfehlenswert für kleine Hunde
oder als Spot-on Produkt, nach Gewicht abgestuft (bis 10, 20 oder 40 kg)
Beide Produkte haben eine relativ gute, allerdings nur begrenzt anhaltende Wirksamkeit, ca. 4 - 5 Wochen. Wenn Sie jedoch in einem zeckenreichen Gebiet wohnen, ist die Anwendung eines zeckenabwehrenden Präparates nur zu empfehlen.
Übrigens: Die genannten Präparate wirken auch gegen Flöhe und sind, zusammen mit vielen anderen für den gleichen Einsatzbereich, beim Tierarzt fast immer vorrätig.
Ich wurde schon des häufigeren auf die Anwendung von Knoblauch zur Zeckenabwehr angesprochen. Hierzu kann ich sagen: Zecken sind geruchsorientiert, das heißt, Knoblauch hat eine Wirkung. ABER NUR BEDINGT! - Was soll das jetzt wieder bedeuten? Ganz einfach: Jedes Lebewesen hat einen eigenen Duft. Manche sind für Zecken attraktiver als andere. Bei Ersteren hat der Knoblauch nur wenig Wirkung. Sie werden auch weiterhin von Zecken befallen werden. Letztere haben da mehr Glück. Im günstigsten Fall werden sie von Zecken nicht mehr belästigt. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob Ihr Tier den Knoblauch annimmt, und ob Sie mit dem Geruch auskommen.
Noch etwas zum Thema Knoblauch: Nicht zuviel, denn in Knoblauch ist Selen enthalten, der in höheren Blutkonzentrationen für Zecken zwar tödlich ist, vorher aber für Ihr Tier!
Und jetzt noch zum sichersten Mittel gegen Zecken: Die Zeckenzange!
Erhältlich im Zoofachhandel oder beim Tierarzt.
Diese gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen; als Zange aus Plastik oder Metall, mit einer Feder zur automatischen Schließung, als Haken ...
Ich persönlich ziehe die einfache Plastikzeckenzange vor. Zum Einen weil sie im Gegensatz zur Metallausführung nicht scharfkantig ist, und den Zeckenkopf abschneiden kann, zum Anderen, weil sie durch die eingebaute Feder einfach zu bedienen ist.
Mit dem Zeckenhaken habe ich keine Anwendererfahrung. Laut Hersteller ist er zu empfehlen, da der Kopf-Hals-Bereich der Zecke nicht gequetscht wird, und somit nicht vermehrt Speichel und die dazugehörigen Enzyme, sowie die Krankheitserreger, vor dem Herausziehen in die Bißstelle gepreßt werden.
Zu beachten ist nur eines: Greifen Sie die Zecke mit der Zange/ dem Haken im Halsbereich, direkt an der Haut, drehen Sie sie zwei- bis dreimal um ihre Längsachse und ziehen Sie sie dann während einer Drehung heraus. In welche Richtung Sie die Zecke drehen ist übrigens egal. Zecken haben kein Gewinde!
Und noch etwas: Nehmen Sie kein Öl oder ähnliches, um der Zecke die Luft abzudrehen, denn in dem Fall speichelt sie verstärkt, bevor sie losläßt - oder auch nicht. Und überträgt so besonders effektiv die oben genannten Krankheiten.
Nach dem Sie die Zecke entfernt haben, kontrollieren Sie, ob der Kopf mit herausgedreht wurde. Der Kopf ist ca. 0,5 bis 1,5 mm groß. Sollte der Kopf trotz allem noch in der Haut stecken, bringen Sie Ihr Tier alsbald zum Tierarzt, da sich die Stelle sonst entzünden und sich ein Abszeß bilden kann.
Zum Vergleich: eine "leere" Zecke ist ca. 1,5 bis 4 mm groß, während sie nach dem Saugen bis zu 1,5 cm groß werden kann.
Jetzt noch zur Entsorgung des ungeliebten Parasiten: ich ziehe das Abflammen vor, da die Zecke sonst eine gute Chance hat zu überleben.
Auf einen erfolgreichen Kampf gegen Zecken,
Christof Mohr, Tierarzt
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